mardi 18 avril 2017

Ibuprofen ist gefährlich. Aber es gibt Alternativen

Von Jörg Zittlau | Veröffentlicht am 21.03.2017
Ibuprofen und Diclofenac kommen nicht aus den Negativschlagzeilen heraus

Ibuprofen und Diclofenac gehören in die Hausapotheke wie die Butter in den Kühlschrank. Nun zeigt sich, dass sie enorme Risiken haben. Doch es gibt Alternativen. Und einen großen Hoffnungsträger.

Der Schnupfen hört auf, doch der Herzschlag leider auch. Eine Erkältung allein kann schon unangenehm sein, doch wenn man sie mit Ibuprofen behandelt, kann sie tödlich enden. Denn dann verdreifacht sich, wie jetzt taiwanische Forscher ermittelt haben, das Risiko für einen Herzinfarkt. „Ärzte sollten diesen Zusammenhang unbedingt im Hinterkopf behalten“, warnt Studienleiter Cheng-Chung Fang von der National Taiwan University. Und die zahlreichen Selbstanwender von Ibuprofen natürlich auch.

Erst Magen- und Darmgeschwüre, jetzt auch noch Warnungen vor Infarkten. Ibuprofen und Diclofenac kommen nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Ihr Wirkungsmechanismus stellt sich immer mehr als Verhängnis heraus: Als sogenannte Nichtsteroidale Antirheumatika (NSA) hemmen sie ein Enzym namens Cyclooxygenase, was zwar einerseits Entzündungsprozesse hemmt, andererseits aber auch Thrombozyten dazu anregt, sich zu verklumpen und Gefäßverschlüsse zu provozieren.

Ibuprofen hat seinen guten Ruf verloren
Dass es sich dabei keineswegs um ein vernachlässigbares Bagatellrisiko handelt, zeigt eine Erhebung an knapp 29.000 dänischen Patienten mit Herzstillstand. Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit für diesen kardiologischen Super-GAU um 22 Prozent, wenn in den 30 Tagen zuvor Ibuprofen eingenommen worden ist; bei Diclofenac liegt die Steigerung sogar bei 50 Prozent.

„Diese Quoten“, resümiert Studienleiter Gunnar Gislason vom Universitätshospital in Gentofte, „sollten uns nachhaltig daran erinnern, dass NSA nicht harmlos sind“. Wobei im Hinblick auf Diclofenac ohnehin schon weithin Vorsicht herrscht. Denn bei diesem Mittel merken viele Anwender schon nach wenigen Tagen, dass ihnen das Mittel auf den Magen schlägt. Doch Ibuprofen hatte bisher einen eher guten Ruf, es schien harmloser zu sein als sein NSA-Verwandter Acetylsalicylsäure (ASS).

Auch das wirkungsschwache Paracetamol unter Verdacht
Vor allem HNO-Ärzte schätzen die „Ibus“, weil sie zuverlässig bei Halsschmerzen helfen. Dass sie nun auch als brisantes Risikomedikament einzustufen sind, trifft hart. Denn welches Schmerzmittel bleibt dann noch, das man hoffnungsvoll und halbwegs angstfrei einnehmen kann? Internist Cheng-Chung Fang rät zu Paracetamol. Jedenfalls bei Schnupfen, „insofern es auch als Fiebersenker wirkt“.

Schmerzmittel können Risiko für Herzinfarkt steigern
Einige häufig benutzte Schmerzmittel können das Risiko eines Herzinfarkts erhöhen. In einer Studie werden vor allem Ibuprofen und Diclofenac erwähnt. Besonders Herzpatienten sind gefährdet.

Doch kann man dieses Mittel, auch wenn es Kleinkindern als Zäpfchen verabreicht wird, wirklich noch als risikoarm bezeichnen? So ermittelte man an der Ohio State University, dass schon die übliche Ein-Gramm-Dosis Paracetamol unempathisch macht, also unser Mitgefühl für andere Menschen dämpft. Außerdem steht es im Verdacht, bei Kindern, deren Mutter das Mittel während der Schwangerschaft geschluckt hat, das Asthmarisiko zu erhöhen und umgekehrt den Intelligenzquotienten zu senken. Und das alles, obwohl Paracetamol unter den Schmerzhemmern als eher wirkungsschwach gilt.

Das klingt nicht gerade nach einer echten Alternative zu Ibuprofen. Vielleicht sollte man lieber einen Blick auf traditionelle Heilpflanzen werfen. Wie etwa auf die Pestwurz. Sie wurde bereits im griechischen Altertum als krampflösendes Mittel eingesetzt, und dieser Effekt erstreckt sich laut klinischen Studien offenbar auch auf die Blutgefäßkrämpfe der Migräne. Pestwurz enthält zwar potenziell schädliche Alkaloide, doch die werden hierzulande bei der Herstellung der Extrakte ausgewaschen.

Pestwurz und Pfefferminzöl können helfen
Einreibungen mit Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen helfen bei Spannungskopfschmerzen, weil sie die Schmerzübertragung von der Haut zum zentralen Nervensystem hemmen. In einer Studie der Essener Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin bewährten sich die guten alten Krautwickel in der Behandlung von Knieschmerzen. Ihre Wirkung war ähnlich hoch wie bei den kommerziellen Diclofenac-Gels.

Ebenfalls äußerlich angewendet wird der Pfefferwirkstoff Capsaicin. Er blockiert bestimmte Schmerzrezeptoren, sodass er sogar die Qualen einer Gürtelrose lindern kann. Allerdings reizen die „Pfeffer-Auflagen“ oft die Haut, die Patienten sehen dann so aus, als wenn sie ungeschützt in der Sonne gelegen hätten. Wissenschaftler modifizierten daher im Labor das Capsaicin zu Capsazepin, das so sanft wirkt, dass man es wahrscheinlich sogar innerlich anwenden und dadurch die Schmerzrezeptoren körperumgreifend dämpfen könnte. Jetzt muss sich der „Designer-Pfeffer“ noch im klinischen Test bewähren.

„Designer-Opium“: Der größte Hoffnungsträger
Dies gilt auch für das „Designer-Opium“, den derzeit größten Hoffnungsträger der Schmerzmedizin. Denn dass Opiate als Schmerzmittel kaum zu toppen sind, ist schon lange anerkannt. Und jetzt hat man endlich auch einen Weg gefunden, ihre starken Nebenwirkungen abzuschalten. Ausgangspunkt ist die Entdeckung, dass Opiate nicht nur die Schmerzwahrnehmung im Gehirn dämpfen, wo die Nebenwirkungen ausgelöst werden. Sondern sie blockieren die Schmerzen auch dort, wo sie entstehen, also im entzündeten Gewebe.

Dies bedeutet, wie Christoph Stein von der Charité Berlin erklärt, dass man Wirkung und Nebenwirkung voneinander trennen kann. Der Anästhesiologe hat deshalb mit seinem Team eine Variante des Opiats Fentanyl entwickelt, die nur im sauren Milieu des entzündeten Gewebes andockt und das Gehirn in Ruhe lässt. Im Rattenversuch hat sie sich bereits bewährt: Die Tiere hatten deutlich weniger Schmerzen, und das ohne Atem- und Suchtprobleme und auch ohne die für Opiate typischen Verstopfungen.

Bis zur Serienreife des Opiats: Warten und Tee trinken
Bis zur Arzneimittelreife dieses Designer-Opiats wird jedoch noch eine Weile vergehen. Bis dahin heißt es: Abwarten – und Tee trinken. Denn in einer Studie der University of Guelph, Kanada, profitierten Patienten mit schwerer Arthritis davon, wenn sie täglich zwei Tassen grünen Minztee tranken. Und die Wirkung war umso stärker, je mehr Rosmarinsäure der Tee enthielt. Was dafür spricht, dass diese Substanz offenbar schmerz- und entzündungshemmend wirkt.

Grüne Minze ist als Zutat von Zahnpasta und Kaugummi eigentlich keine Unbekannte, nur dass mit diesen Produkten eben keine therapeutische Dosis erreicht wird. Man darf also nicht damit rechnen, dass Kreuz- oder Knieschmerzen nach dem Zähneputzen abklingen.

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