Burka - Verbot: Hier spricht der Familien-Therapeut Roland Kopp-Wichmann
Hallo,
selten hat mich eine politische Debatte so aufgeregt wie der derzeitige Popanz um ein mögliches Burkaverbot. Weil es angeblich die Frauen unterdrücke. Weil es die Gleichberechtigung der muslimischen Frauen behindere.
In den 80er Jahren kam der Spruch auf: "Fighting for peace is like fucking for virginity."
Genau. man kann doch nicht Herrn Erdogan geißeln, dass er mißliebige Kritiker ins Gefängnis werfen lässt und dann zur selben Zeit ein Kleidungsverbot für muslimische Frauen erwägen.
Ja klar, wir vertreten ja die richtigen Werte. Demokratie, Gleichberechtigung, Umweltschutz, Chancengleichheit. Was dabei vergessen wird: Werte können nicht verordnet werden. Sie müssen, wenn überhaupt, von den Betroffenen eingefordert oder erkämpft werden. Aber nicht per Dekret bestimmt werden.
Was wäre denn aus der Frauenbewegung geworden, wenn Sie damals von den Männern angeordnet worden wäre. Wenn Männer zu Frauen gesagt hätten: "Mensch Frauen, Euer Unterleib gehört Euch. Ihr könntn bestimmen, ob Ihr abtreiben wollt oder mit wem Ihr Sex haben wollt..."
Genauso wenig kann man heute der chinesischen Regierung vorwerfen, dass sie zu wenig für den Umweltschutz tue. Wir hätten das in den 50er Jahren auch von niemand hören wollen, dass unsere Öl- und Kohleheizungen schlecht für's Weltklima seien und wir sie abschaffen sollten.
Wir verlangen heute aber von Muslimen locker, dass sie unser Verständnis von Kunst und Literatur als die richtige Anschauung übernehmen und sich nicht aufregen sollen, wenn Mohammed in einer Karikatur unvorteilhaft dargestellt wird. Wir haben genauso unsere Schmerzpunkte, bei denen wir keine Spaß verstehen. Hierzulande darf man über alles Witze machen - nur nicht über den Holocaust. Was für eine Doppelmoral!
Worauf ich hinaus will: Die Entwicklung von Werten, egal ob es Umweltschutz, Gleichberechtigung oder um Demokratie geht, ist immer einer ein historisch gewachsener Prozess, der, und das ist wichtig, von unten kommt. Von Einzelnen, die sich Gedanken machen und für ihre Ideen Mitstreiter suchen. Dieser Prozess kann nicht von oben, durch Gesetz oder durch Gebote abgekürzt oder verordnet werden.
Konkret für uns Deutsche heißt das aus meiner Sicht: Die Burka ist unser Coach, nämlich die Gelegenheit zu prüfen, wie wir mit Fremdartigem umgehen. Wie wir darauf reagieren, wenn wir etwas falsch finden, das aber erst mal niemandem schadet. Können wir es akzeptieren, dass sich die Welt ändert oder müssen wir es mit unserem "Wir wissen aber, was gut und richtig ist" versuchen zu verbieten?
Es würde sowieso nichts nützen.
So wie es auch nichts nützt, Heranwachsenden das Smartphone oder Killerspiele zu verbieten. Die "richtige Gesinnung" lässt sich nicht erzwingen. Das erleben ja alle Diktatoren. Menschen wollen sich generell nicht vorschreiben lassen, was sie tun oder lassen sollen. Sie tun es trotzdem. Man kann zu einem anderen Verhalten, einer anderen Einstellung, zu anderen Werten nur einladen. Das ist mühsamer und dauert länger als die Androhung einer Gefängnisstrafe, wirkt aber länger.
Deshalb ist das Motto der heutigen Sonntagsperlen: Loslassen

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